Das Steinkreuz am Schlossteich – ein Stück Geschichte kehrt zurück

Steinkreuz

Ein stiller Zeuge vergangener Zeiten hat seinen Platz am Wassergraben des Wasserschlosses wiedergefunden: ein schlichtes, aus hellem Kalkstein gefertigtes Steinkreuz. Es trägt weder Inschrift noch Zeichen – und doch erzählt es eine bemerkenswerte Geschichte. Die Hintergrundinformationen zu diesem Fund und seiner Geschichte verdanken wir Eberhard Keim, der mit seinem Wissen einen eindrucksvollen Blick in die Vergangenheit ermöglicht.
Vor über 25 Jahren wurde das Kreuz beim Aushub des hinteren Bereichs des Schlossweihers völlig unversehrt aus dem Boden geborgen. Seine ursprüngliche Herkunft und Bedeutung bleiben bis heute im Dunkeln. Sicher ist nur, dass das Kreuz aus früheren Zeiten stammen muss und einst eine religiöse oder kulturelle Bedeutung gehabt haben dürfte.
Aufgrund seines Bezugs zur Geschichte des Trainer Schlosses wurde das Kreuz nach seiner Entdeckung in der Nähe des heutigen Standortes aufgestellt und schmückte fortan den Weg am Schlossteich. Doch schon nach relativ kurzer Zeit verschwand es wieder spurlos. Viele Menschen im Ort rätselten über den Verbleib und schüttelten ungläubig den Kopf über dieses unerklärliche Verschwinden.
Erst im Herbst 2025 kam die überraschende Auflösung des Rätsels ans Licht. Wegen Brückenarbeiten musste der Schlossweiher teilweise abgesenkt werden – und plötzlich wurde sichtbar, was sich über zwei Jahrzehnte unter der Wasseroberfläche verborgen hatte. Das schwere Steinkreuz war offenbar vom Sockel gebrochen und über den Zaun in den Schlossteich geworfen worden. Trotz des steinigen Untergrunds blieb es glücklicherweise unbeschadet. Die lange Lagerung im Wasser hatte dem alten Kalkstein jedoch eine ganz besondere Oberfläche verliehen: eine natürliche, festhaftende Patina, ähnlich den Flussbausteinen des Teichgrundes. Am Ufer wuchs die Sumpfschwertlilie – eine stille Begleiterin dieses verborgenen Geheimnisses unter der Wasseroberfläche. Nun hat das historische Kreuz erneut einen würdigen Platz erhalten. Gemeinsam mit dem Kunstschmied Benedikt Huber entstand ein neuer Metallsockel, der das Steinkreuz dauerhaft und sicher mit einem Betonfundament im Boden verbindet.
Auch die Umgebung wurde behutsam gestaltet: Die zugespitzten Blätter der Sumpfschwertlilie begleiten weiterhin das christliche Symbol am Teichrand. Schneeglöckchen und Krokusse bringen im Frühjahr erste Farbtupfer, während eine kleine Strauchrose mit Wildrosencharakter den Hintergrund bildet und bis in den Herbst hinein blüht. So erinnert das Steinkreuz heute nicht nur an eine unbekannte Vergangenheit, sondern auch daran, wie ein fast vergessenes Stück Geschichte wieder ans Licht kommen kann.

Schlossteich

Zeitler und Keim Steinkreuz

Fotos: Eberhard Keim, Daniela Bohl